Karriere, Bewerbung & Einstieg

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz im Holz- und Forstbetrieb

In dieser Branche entscheidet selten eine Bewerbungsmappe. Es entscheidet der Eindruck, den du in der Werkstatt, im Wald oder in der Halle hinterlässt. Trotzdem musst du erst einmal dorthin kommen – und dafür brauchst du Unterlagen, die niemanden aufhalten.

1. Wann du dich bewirbst und wo die Plätze stehen

Große Industriebetriebe und Werke schreiben ihre Ausbildungsplätze früh aus, oft mehr als ein halbes Jahr vor dem Start. Kleine Handwerksbetriebe entscheiden dagegen häufig kurzfristig – manchmal erst, wenn im Sommer klar wird, dass jemand ausfällt oder ein Auftrag mehr Hände braucht. Beide Rhythmen bedienst du am besten unterschiedlich: früh bewerben, aber auch spät noch nachfragen.

Suche nicht nur in Stellenportalen. Die Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern und der Industrie- und Handelskammern führen Plätze, die sonst nirgends erscheinen, und die Berufsberatung der Agentur für Arbeit kennt die Betriebe der Region. Dazu kommen Innungen, Fachverbände, Ausbildungsmessen und – in dieser Branche besonders wirksam – die direkte Ansprache.

Denn viele kleine Betriebe schreiben gar nicht erst aus. Sie nehmen jemanden, der vorbeikommt, gefragt hat und schon einmal zwei Wochen da war. Eine eigene Liste der Zimmereien, Tischlereien, Sägewerke und Forstbetriebe, die du täglich erreichen könntest, ist deshalb oft wertvoller als jedes Portal. Anrufen ist erlaubt und wird meist besser aufgenommen als eine Mail.

2. Das Praktikum ist die eigentliche Bewerbung

Kein Anschreiben kann zeigen, ob du morgens pünktlich bist, ob du zupackst, ohne dreimal aufgefordert zu werden, und ob du Staub, Lärm und Kälte aushältst. Ein Praktikum kann das. Deshalb vergeben viele Betriebe ihre Ausbildungsplätze bevorzugt an Menschen, die schon einmal da waren.

Nutze Schulpraktika bewusst und frage darüber hinaus nach Ferienpraktika oder einzelnen Probetagen. Zwei Wochen im Betrieb bringen dir zwei Erkenntnisse: Der Betrieb sieht, wie du arbeitest – und du siehst, ob dieser Beruf wirklich zu dir passt. Ein Abbruch nach dem Praktikum kostet nichts, ein Abbruch im zweiten Lehrjahr kostet dich Zeit.

Im Praktikum entscheiden die Kleinigkeiten. Sicherheitsschuhe mitbringen, fragen, bevor du eine Maschine anfasst, Werkzeug zurücklegen, wo es hingehört, am Ende des Tages kehren, ohne dass es jemand sagt. Wer den Meister fragt, warum etwas so gemacht wird, fällt positiv auf. Wer stumm dasteht und aufs Handy schaut, ebenfalls – nur anders.

3. Die Unterlagen: kurz, vollständig, fehlerfrei

Eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz besteht aus einem kurzen Anschreiben, einem Lebenslauf und den letzten beiden Zeugnissen. Mehr wird nicht erwartet. Das Anschreiben darf eine halbe Seite haben und muss drei Dinge klarmachen: welche Ausbildung du meinst, warum ausgerechnet diesen Beruf und ab wann du kannst.

Schreib konkret. „Ich interessiere mich für Holz“ sagt nichts. „Ich habe im letzten Sommer mit meinem Onkel eine Gartenhütte gebaut und dabei gemerkt, dass mir das Arbeiten mit Maß und Winkel liegt“ sagt etwas – und ist außerdem ein Gesprächsanlass im Vorstellungsgespräch. Alles, was du praktisch gemacht hast, gehört hinein: Werkstattkurse, Reparaturen, Mofa oder Motorrad geschraubt, Waldarbeit im Familienbetrieb, Ferienjob im Lager.

Auf die Form musst du keine Designarbeit verwenden, aber Fehler kosten dich Punkte, weil sie als Nachlässigkeit gelesen werden. Lass jemanden gegenlesen. Nenne eine Telefonnummer, unter der du erreichbar bist, und melde dich zurück, wenn jemand anruft – daran scheitern erstaunlich viele Bewerbungen, bevor sie überhaupt gelesen wurden.

4. Eignungstest, Probearbeiten und was dabei geprüft wird

Größere Betriebe setzen häufig einen schriftlichen Test ein. Geprüft werden Grundrechenarten, Prozent- und Bruchrechnung, Maßeinheiten und Umrechnungen, räumliches Vorstellungsvermögen und einfache technische Zusammenhänge. Nichts davon ist Hochschulmathematik, aber Flächen- und Volumenberechnung solltest du sicher können – im Holzbereich wird ständig gerechnet, in Quadratmetern, Kubikmetern, Festmetern und laufenden Metern.

Im Handwerk ersetzt der Probearbeitstag meist jeden Test. Dort schaut niemand, ob du eine Zinkung sägen kannst – das sollst du ja erst lernen. Geschaut wird auf Grundsätzlicheres: Hörst du zu, wenn dir etwas erklärt wird? Fragst du nach, wenn du etwas nicht verstanden hast? Bist du nach der Pause wieder da? Fasst du an, ohne dass man dich schiebt?

Geh davon aus, dass der Tag körperlich ist. Zieh Arbeitskleidung an, die schmutzig werden darf, bring Sicherheitsschuhe mit, wenn du welche hast, und frag vorher, was du mitbringen sollst. Diese Frage allein wirkt schon professionell.

5. Das Gespräch: wer dir gegenübersitzt

In einem Familienbetrieb sitzt dir mit hoher Wahrscheinlichkeit die Inhaberin oder der Inhaber gegenüber, vielleicht zusammen mit dem Meister, der dich später ausbildet. Das ist kein anonymes Auswahlverfahren: Diese Menschen entscheiden, mit wem sie die nächsten drei Jahre täglich in der Werkstatt stehen. Entsprechend zählt der persönliche Eindruck mehr als jede eingeübte Antwort.

Rechne mit einfachen, direkten Fragen: Warum dieser Beruf? Was weißt du über unseren Betrieb? Wie kommst du morgens hierher? Hast du schon mal mit Werkzeug gearbeitet? Bereite vor allem die letzte Frage vor – ein konkretes Beispiel schlägt jede allgemeine Aussage. Und informiere dich vorher, was der Betrieb tatsächlich macht; ein Blick auf die Website und die Referenzprojekte reicht meistens.

Stelle selbst Fragen. Wer bildet mich aus? Wie läuft die Berufsschule, gibt es Blockunterricht und wo? Welche Maschinen habt ihr? Werde ich auf Montage mitgenommen? Wie viele Auszubildende hattet ihr zuletzt und was machen die heute? Das zeigt Interesse und schützt dich vor einem Betrieb, der Auszubildende vor allem als günstige Hilfskräfte einplant.

6. Wenn es zunächst nicht klappt

Eine Absage ist kein Urteil über deine Eignung. Kleine Betriebe bilden oft nur alle paar Jahre aus, und manchmal war einfach jemand aus dem Praktikum schneller da. Frag höflich nach dem Grund – viele Chefs antworten ehrlich, und die Antwort ist mehr wert als zehn weitere Blindbewerbungen.

Es gibt Zwischenwege. Die Einstiegsqualifizierung ist ein längeres, gefördertes betriebliches Praktikum, das auf eine Ausbildung hinführt und häufig in einen Vertrag mündet. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen und Berufsfachschulen können ebenfalls anrechenbare Zeit bringen. Über Voraussetzungen und Förderung entscheidet die Agentur für Arbeit.

Außerdem ist der Zug nicht abgefahren, wenn der übliche Ausbildungsstart im Spätsommer vorbei ist. Ausbildungsverhältnisse werden auch später im Jahr noch geschlossen, wenn Plätze unbesetzt bleiben oder jemand abspringt. Die Nachvermittlung von Kammern und Agentur für Arbeit läuft genau dafür – und in einer Branche mit Fachkräftemangel nehmen viele Betriebe lieber im Herbst noch jemanden auf, als ein Jahr zu verlieren.

Häufige Fragen

Wann soll ich mich für einen Ausbildungsplatz bewerben?

Bei größeren Industrie- und Handelsbetrieben früh, oft mehr als ein halbes Jahr vor Ausbildungsbeginn. Kleine Handwerksbetriebe entscheiden häufig kurzfristig – dort lohnt es sich, auch noch im Frühjahr und Sommer nachzufragen.

Brauche ich ein Praktikum, um genommen zu werden?

Vorgeschrieben ist es nicht, aber es ist der wirksamste Weg. Viele Betriebe vergeben ihre Plätze bevorzugt an Praktikantinnen und Praktikanten, die sie bereits bei der Arbeit erlebt haben.

Wie lang soll das Anschreiben sein?

Eine halbe Seite reicht. Wichtig ist, dass Beruf, Motivation und möglicher Starttermin sofort erkennbar sind und dass keine Rechtschreibfehler drin sind.

Was ziehe ich zum Probearbeiten an?

Robuste Arbeitskleidung, die schmutzig werden darf, und Sicherheitsschuhe, falls vorhanden. Frag vorher im Betrieb nach, was du mitbringen sollst – diese Frage macht bereits einen guten Eindruck.

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Zuständige Stellen und fachliche Grundlagen

  1. Bundesagentur für Arbeit – Berufsberatung, Einstiegsqualifizierung und Nachvermittlung
  2. Zuständige Handwerkskammer bzw. Industrie- und Handelskammer – Lehrstellenbörsen und Ausbildungsberatung
  3. Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) – Hinweise für Bewerbende im Handwerk
  4. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) – Datenreport zur Berufsbildung und Übergangswege

Angaben zu Ausbildungsdauer, Förderung und Verdienst unterscheiden sich je nach Region, Betrieb und Tarif. Verbindlich sind die Auskünfte der zuständigen Kammer bzw. der Agentur für Arbeit.