In 10 Schritten zur sicheren Baumfällung
Die Fällung eines Baumes gehört zu den anspruchsvollsten und gefährlichsten Arbeiten im Wald. Sie erfordert höchste Konzentration, ein geschultes Auge und das strikte Einhalten technischer Abläufe. Nur ein strukturiertes Vorgehen verhindert schwere Unfälle und sorgt dafür, dass der Baum exakt an der geplanten Stelle landet.
1. Vorbereitung und Umfeldsicherung (Schritte 1–3)
Bevor die Motorsäge gestartet wird, muss das Umfeld des Baumes akribisch kontrolliert und vorbereitet werden:
- Schritt 1: Die Baumansprache: Beurteilung des Baumes auf Totholz in der Krone, Stammfäule, natürlichen Hang (Vorhänger/Rückhänger) und Windrichtung.
- Schritt 2: Gefahrenbereich sichern: Der Fällbereich (doppelte Baumlänge) muss komplett frei von unbeteiligten Personen sein. Warnschilder oder Absperrband sichern die Waldwege.
- Schritt 3: Arbeitsplatz und Rückweiche: Der Stammfuß wird von Ästen und Gestrüpp befreit. Zudem wird die Rückweiche – ein Fluchtweg schräg nach hinten im 45-Grad-Winkel zur Fallrichtung – freigeräumt.
2. Das Anlegen der Fallkerbe (Schritte 4–6)
Die Fallkerbe ist die Richtungssteuerung des Baumes. Sie bestimmt, wohin er stürzt:
- Schritt 4: Der Kerbsohlenschnitt: Ein waagerechter Schnitt am Stammfuß, der etwa 1/5 bis 1/3 des Stammdurchmessers tief in Richtung der geplanten Fällrichtung einsägt.
- Schritt 5: Der Kerbdachschnitt: Ein schräger Schnitt von oben (ca. 45 bis 60 Grad), der exakt auf der Linie des Sohlenschnitts trifft. Das herausgesägte Holzstück wird entnommen.
- Schritt 6: Die Visierkontrolle: Durch den Blick über die Gehäuselinien der Motorsäge (Fällweiser) wird geprüft, ob das Fallkerbmaul exakt rechtwinklig zur gewünschten Fallrichtung ausgerichtet ist.
3. Der Fällschnitt und das Scharnier (Schritte 7–8)
Nun wird der eigentliche Trennschnitt gesetzt, der den Baum zu Fall bringt. Hierbei ist Millimeterarbeit gefragt:
- Schritt 7: Bruchstufe und Bruchleiste anreißen: Der Fällschnitt wird auf der Rückseite des Stammes angesetzt, und zwar etwa 1/10 des Stammdurchmessers *oberhalb* der Fallkerbsohle (Bruchstufe).
- Schritt 8: Den Fällschnitt ausführen: Es wird von hinten eingesägt, wobei unbedingt eine Holzleiste zur Fallkerbe hin stehengelassen werden muss – die Bruchleiste. Sie wirkt wie ein mechanisches Scharnier und führt den Baum sicher zu Boden. Sie darf niemals durchtrennt werden!
4. Keilen, Warnruf und Wipfelblick (Schritte 9–10)
Die finalen Sekunden erfordern absolute Disziplin und das Einhalten der forstlichen Sicherheitsketten:
- Schritt 9: Das Keilen: Um ein Einklemmen der Sägeschiene zu verhindern und den Baum über den Kipppunkt zu hebeln, werden mechanische Fällkeile (Alu oder Kunststoff) in den Fällschnitt eingetrieben.
- Schritt 10: Warnruf und Rückweichen: Vor dem finalen Keilschlag erfolgt der unmissverständliche, laute Warnruf („Achtung! Baum fällt!“). Sobald sich der Baum neigt, tritt der Sägeführer sofort über die vorbereitete Rückweiche schräg nach hinten zurück. Der Blick bleibt dabei fest nach oben in die Krone gerichtet, um auf herabbrechende Totholzüste sofort reagieren zu können.
Praxis-Tipp für Waldarbeiter
Arbeiten Sie bei der Fällung niemals allein im Bestand. Eine zweite Person muss sich immer in Rufweite außerhalb des Gefahrenbereichs aufhalten, um im Notfall sofort Erste Hilfe leisten oder Rettungskräfte koordinieren zu können. Führen Sie zudem stets ein Erste-Hilfe-Set inklusive Druckverband direkt am Gürtel mit sich.