Holz-Inhaltsstoffe (Gerbsäure, Harze & Extraktstoffe)

Holz ist weit mehr als nur ein Gerüst aus Zellulose und Lignin. Es ist ein biologischer Speicher für eine Vielzahl von chemischen Verbindungen, den sogenannten Extraktstoffen. Diese Stoffe – vor allem Gerbsäuren, Harze, Fette und Öle – fungieren als das Immunsystem des Baumes. Sie entscheiden darüber, ob eine Holzart im Außenbereich Jahrzehnte überdauert oder innerhalb kürzester Zeit von Pilzen zersetzt wird. Für Bauherren und Handwerker ist die Kenntnis dieser Stoffe entscheidend, um Baumängel und unschöne Verfärbungen zu vermeiden.


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1. Gerbsäure (Tannine) - Das natürliche Schutzschild

Besonders ausgeprägt ist die Konzentration von Gerbsäure bei Laubhölzern wie Eiche, Edelkastanie, Robinie und Walnuss. Diese Tannine wirken antibakteriell und fungizid (pilzhemmend).

Die chemische Reaktion mit Metallen: Gerbsäure ist wasserlöslich und reagiert chemisch mit Metallionen, insbesondere mit Eisen. Sobald Feuchtigkeit ins Spiel kommt (Regen oder Luftfeuchtigkeit), bilden Eisen und Gerbsäure einen blauschwarzen Komplex – ähnlich der Herstellung klassischer Eisengallustinte.

Das Auswaschen (Bluten): Bei frisch verbautem Eichen- oder Robinienholz kann es vorkommen, dass die Gerbsäure durch Regen regelrecht „ausgewaschen“ wird. Diese dunkle Flüssigkeit kann darunterliegende Bauteile wie helle Betonplatten oder Putzfassaden dauerhaft verfärben.

Praxis-Folge: Bei gerbsäurereichen Hölzern sind Edelstahlschrauben (mindestens V2A) absolute Pflicht. Verzinkte Schrauben werden durch die Säure innerhalb kurzer Zeit zerfressen, was nicht nur Flecken verursacht, sondern auch die Statik gefährdet.




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2. Harze - Die interne Imprägnierung 

Harze finden sich fast ausschließlich in Nadelhölzern wie Lärche, Kiefer und Douglasie. Sie werden in speziellen Harzkanälen transportiert und dienen dem Verschluss von Wunden (z. B. durch Astbruch oder Insektenfraß).

Wetterfestigkeit: Harz ist hydrophob (wasserabweisend). Es verstopft die Poren des Holzes und verhindert so, dass Wasser tief in die Zellstruktur eindringen kann. Dies ist der Hauptgrund für die hohe Dauerhaftigkeit der Lärche im Außenbereich.

Problematik der Harzgallen: In den sogenannten Harzgallen sammeln sich größere Mengen flüssigen Harzes. Bei starker Sonneneinstrahlung und Erwärmung des Holzes (z. B. bei dunklen Fassaden) dehnt sich das Harz aus und tritt an der Oberfläche aus.

Verarbeitungshinweis: Ausgetretenes Harz lässt sich im frischen Zustand schwer entfernen. Man sollte warten, bis es ausgehärtet und spröde ist, um es dann vorsichtig mit einem Spachtel oder Entharzer (auf Spiritusbasis) abzuheben.





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3. Natürliche Öle und Duftstoffe

Manche Hölzer, wie die Zirbe (Arve) oder exotische Arten wie Teak, lagern ätherische Öle ein.

Wirkung: Diese Öle sorgen nicht nur für den charakteristischen, oft gesundheitsfördernden Duft, sondern halten das Holz geschmeidig und schützen es vor dem Austrocknen und der damit verbundenen Rissbildung.

Insektenabwehr: Inhaltsstoffe wie das Pinosylvin in der Zirbe wirken nachweislich gegen Kleidermotten und Bakterien, weshalb Zirbenholz bevorzugt für Schlafzimmermöbel und Brotkästen verwendet wird.




Praxis-Tipp für den Einkauf von Bauholz

Die chemische Zusammensetzung des Holzes ist genauso wichtig wie seine Härte. Wer mit Eiche baut, muss in Edelstahl investieren. Wer sich für Lärche entscheidet, muss den natürlichen Harzfluss als Qualitätsmerkmal akzeptieren. Das Verständnis dieser Prozesse schützt vor Reklamationen und sorgt dafür, dass die natürliche Ästhetik des Werkstoffs erhalten bleibt.


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