Rückegasse vs. Feinerschließung
Damit Holz vom Baumstumpf zum Waldweg und schließlich zum Sägewerk gelangt, benötigt der Wald ein durchdachtes System von Wegen. In der modernen, nachhaltigen Forstwirtschaft unterscheidet man hierbei zwischen der Walderschließung für LKW und der sogenannten Feinerschließung für die Erntemaschinen (Harvester) und Rückeschlepper (Forwarder). Ziel dieses Systems ist es, den Waldboden so weit wie möglich zu schonen.
1. Was ist Feinerschließung?
Die Feinerschließung ist das Netz aus Linien im Wald, auf denen sich die Forstmaschinen abseits der festen Waldwege bewegen dürfen. Das wichtigste Element hierbei ist die Rückegasse.
- Das Prinzip: Forstmaschinen dürfen im zertifizierten Wald (PEFC/FSC) niemals kreuz und quer fahren. Sie müssen strikt auf den markierten Rückegassen bleiben.
- Abstände: In der Regel liegen Rückegassen in einem festen Abstand von 20 bis 40 Metern parallel zueinander. So kann der Kran eines Harvesters jeden Baum erreichen, ohne dass die Maschine den geschützten Waldboden dazwischen befahren muss.
2. Die Rückegasse: Die "Arbeitsspur" im Bestand
Eine Rückegasse ist kein ausgebauter Weg. Es ist ein unbefestigter Streifen im Wald, auf dem die Bäume entnommen wurden, um Platz für die Maschinen zu schaffen.
- Bodenschutz: Durch das dauerhafte Befahren derselben Spur wird die Bodenverdichtung auf einen winzigen Prozentsatz der Waldfläche (ca. 10–15 %) begrenzt. Der restliche Waldboden bleibt locker, wasseraufnahmefähig und biologisch intakt.
- Reisigmatten: Um den Druck der schweren Maschinen weiter zu verteilen, legen Forstwirte oft Äste und Reisig auf die Rückegasse. Diese "Matten" wirken wie Stoßdämpfer für den Boden.
3. Abgrenzung zum Waldweg (Haupterschließung)
Während die Rückegasse nur für Spezialmaschinen gedacht ist, dienen Waldwege der Haupterschließung.
- Waldwege: Sind befestigt (geschottert), dauerhaft befahrbar und für Holz-LKW ausgelegt. Sie führen das Holz aus dem Wald heraus.
- Rückegassen: Führen von den gefällten Bäumen direkt zu diesen Waldwegen. Hier wird das Holz an sogenannten Poltern (Sammelplätzen) abgelegt.
4. Warum ist das für den Holzkäufer wichtig?
Holz, das über ein geordnetes System aus Rückegassen geerntet wurde, stammt aus bodenschonender Bewirtschaftung. In Zeiten des Klimawandels ist ein intakter Waldboden der wichtigste Wasserspeicher des Waldes. Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, achtet darauf, dass die Forstlogistik nach modernen Standards der Feinerschließung erfolgt ist.
Praxis-Tipp für Waldbesitzer
Planen Sie Ihre Rückegassen langfristig. Einmal angelegt, sollten diese Linien über Generationen beibehalten werden. So vermeiden Sie, dass immer neue Bodenflächen verdichtet werden. Markieren Sie die Gassen deutlich (z. B. durch zwei waagerechte Striche am Baum), damit Maschinenführer auch bei Schnee oder Unterbewuchs die Spur halten können.