Versottung
Unter Versottung versteht man die Durchdringung des Schornsteinmauerwerks mit Wasser, Teer und Säuren. Dies äußert sich meist durch hässliche, braune bis schwarze Flecken an der Schornsteinwange im Wohnbereich, die oft einen extrem unangenehmen, beißenden Geruch verströmen. Die Versottung ist kein optisches Problem, sondern ein ernsthafter baulicher Mangel, der die Bausubstanz angreift und im schlimmsten Fall zu einem Schornsteinbrand führen kann.
1. Wie entsteht Versottung?
Physikalisch gesehen ist Versottung ein Kondensationsproblem. Wenn die Abgase im Schornstein zu stark abkühlen, bevor sie die Schornsteinmündung erreichen, unterschreiten sie den sogenannten Taupunkt.
- Kondensation: Der im Abgas enthaltene Wasserdampf wird flüssig.
- Säurebildung: Dieses Wasser verbindet sich mit den Verbrennungsrückständen (Ruß, Schwefel, Teer) zu einer aggressiven, säurehaltigen Flüssigkeit.
- Durchfeuchtung: Diese Mischung dringt in die Fugen und Steine des gemauerten Schornsteins ein und wandert mit der Zeit bis nach außen an die Tapete oder den Putz.
2. Die Hauptursachen beim Heizen mit Holz
Es gibt drei klassische Gründe, warum ein Schornstein versottet:
- Zu feuchtes Holz: Das ist der häufigste Grund. Die Energie des Feuers wird verbraucht, um das Wasser im Holz zu verdampfen. Dadurch bleibt die Verbrennungstemperatur zu niedrig, und es entsteht massiv viel Wasserdampf im Abgas.
- Zu große Schornsteinquerschnitte: Wenn ein moderner, hocheffizienter Ofen an einen alten, weiten gemauerten Schornstein angeschlossen wird, kühlen die Abgase zu schnell ab, da das Volumen des Schornsteins zu groß für die geringe Abgasmenge ist.
- Falsche Bedienung (Drosseln): Wer den Ofen "über Nacht" brennen lassen will und die Luftzufuhr komplett abwürgt, erzeugt eine Schwelverbrennung. Die Temperaturen sinken, und unverbrannte Gase kondensieren im Kamin.
3. Folgen und Gefahren
- Geruchsbelästigung: Der Geruch von versotteten Kaminen ist extrem hartnäckig und lässt sich kaum überstreichen.
- Bauliche Schäden: Die Säuren zersetzen den Mörtel und die Ziegel, was die Standfestigkeit des Schornsteins gefährden kann.
- Glanzruß-Gefahr: Versottung geht oft Hand in Hand mit die Bildung von brennbarem Glanzruß – der Hauptursache für gefährliche Schornsteinbrände.
4. Prävention und Sanierung
- Richtig heizen: Verwenden Sie ausschließlich trockenes Holz (Restfeuchte < 20 %) und sorgen Sie für ausreichend Verbrennungsluft.
- Querschnittsanpassung: Ein Einbaurohr aus Edelstahl oder Keramik verringert den Querschnitt und sorgt dafür, dass die Abgase heiß genug oben ankommen.
- Spezial-Sperrgrund: Wenn die Flecken bereits da sind, hilft normales Überstreichen nicht. Es muss ein spezieller Absperrgrund oder eine Sanierung der Schornsteinwange erfolgen.
Praxis-Tipp für Ofenbesitzer
Beobachten Sie die Mündung Ihres Schornsteins: Wenn dort bei kaltem Wetter weißer "Qualm" (Wasserdampf) zu sehen ist, ist das normal. Wenn es jedoch schwarz raucht oder gelblich-braune Flüssigkeit am Schornsteinkopf herunterläuft, müssen Sie sofort handeln und Ihren Schornsteinfeger kontaktieren.